URUSHI

Bei Urushi handelt es sich um den milchigen, zähflüssigen Saft des Lackbaumes Rhus vernicifera aus der Familie der Anacardiaceae der in Japan, China, Korea und dem östlichen Himalaya verbreitet ist und seit der Steinzeit auch als Klebemittel dient. Im flüssigen Zustand kann der Rohlack starke allergische Reaktionen, Haut- und Schleimhautentzündungen hervorrufen.
Die Aushärtung von Urushi ist ein komplexer Vorgang, der bei ca. 25°C und 65-85% relativer Luftfeuchtigkeit in speziellen Feuchtschränken (urushi-furo) abläuft.
Neben seinen hervorragenden optischen Eigenschaften, wie Transparenz und Hochglanz, ist besonders die hohe Beständigkeit des ausgehärteten Urushi gegenüber Wasser, Lösungsmitteln – einschließlich Alkohol, Säuren und Alkalien hervorzuheben. Bemerkenswert ist auch seine relativ hohe Beständigkeit gegenüber Temperaturen bis etwa 280°C.
Urushi ist nicht nur alterungsbeständig und Lebensmittelecht, sondern nach heutigen Erkenntnissen im ausgehärteten Zustand völlig ungiftig. Ausgehärteter Urushi weist zwar bei normaler Handhabung eine lange Lebensdauer auf, ist aber dennoch kein Wundermaterial. Da es sich um einen natürlichen Werkstoff handelt, können Qualitätsschwankungen auftreten, die auch durch noch so sorgfältige Aufbereitung und Verarbeitung nicht auszugleichen sind. Deshalb weisen auch mit Urushi beschichtete oder geklebte Objekte in Abhängigkeit der Intensität des täglichen Gebrauches oder unterschiedlichster Umwelteinflüsse mehr oder weniger schnell bleibende Spuren auf, die sich zum Beispiel in Form von Ablösungen, Glanzveränderungen oder Kratzer zeigen können.

 

In neuerer Zeit ist oft von Cashew Lacquer als Ersatz für Japanlack die Rede, weil dieser Lack keine Hautreizungen verursacht. Dieser so genannte Cashew Lacquer suggeriert mit seiner Bezeichnung, dass es sich hier auch um einen Naturlack handelt. Aber weit gefehlt, es handelt sich um einen synthetischen Industrielack auf der Basis von Phenol. Der Phenolbestandteil wird hier aus dem Öl der Schale der Cashewnuss gewonnen und ist bedeutend billiger in der Herstellung als synthetisches Phenol. Phenol ist giftig, ätzend und gesundheitsgefährdend und wird deshalb in Lacken nach und nach durch weniger gefährliche Stoffe ersetzt. Das Verfahren zur Nutzung von Cashew-Öl bei der Lackherstellung wurde von Cashew Co., LTD in Japan entwickelt.

 

Literatur und Weblinks

Urushi:

Drescher, St., „Kintsugi Technik“ (2011 / 2014)

Eades, Carla, Nishiyama, Yuriko, Yanase Hiroko, „Hikone butsudan“

Cashew Lacquer:

Cashew Co., Ltd

Golden Cashew Products Pvt. Ltd